Klasse statt Masse, das Springpferdechampionat von Rheinland-Pfalz-Saar

Er attestierte den insgesamt elf Finalisten in drei Altersklassen am Sonntag durchweg eine große Sportperspektive und sah die meisten bereits jetzt auf deutschem Spitzenniveau, das sie selbst beim Bundes-Championat in Warendorf, der Deutschen Meisterschaft der Nachwuchspferde durchaus konkurrenzfähig mache.
Entsprechend hoch waren die Wertnoten, die das Richtergremium vergab. Sowohl die Klasse L der Fünfjährigen als auch die mittelschwere Klasse M der Sechsjährigen wurden mit einer glatten 9,0 gewonnen. Die niedrigste Wertnote im Finale der Sechsjährigen war eine 8,0, die zur Qualifikation in Warendorf ausreichen würde, wenn eine Qualifikation ausgeschrieben gewesen wäre. Landes-Champion 2021 wurde nach seinem Titelgewinn 2020 bei den Fünfjährigen erneut die DSP-Stute Cornetine van‘t Palmenhof (Cornet Obolensky aus Windows/ Triomphe de Muze) der Züchtergemeinschaft Markus und Petra Beyer, erneut vorgestellt von ihrem Besitzer Thies Beyer. „Beeindruckend, wie lässig dieses Pferd seine Aufgaben meistert. Es gibt seinem Reiter das Gefühl, wie Springsport sein sollte“, kommentierte Georg Bruns begeistert. Cornetine van´t Palmenhof war in 2020 das erfolgreichste 5jährige Pferd aus dem Zuchtgebiet RPS. Das hohe Niveau fordere die Richter auf, nach Kleinigkeiten zu suchen, um eine gerechte Rangierung vornehmen zu können.


Es ist sehr Schade, dass so wenige Reiter und Reiterinnen diese deutlich höher dotierten Championatsprüfungen auf der vorbildlichen Gestütsanlage in Zweibrücken nicht stärker für ihre jungen Pferde nutzen. Der Pferdezuchtverband und der Förderverein für Pferdezucht und Pferdesport fördern dieses Turnier mit Ehrenpreisen und auch weitergehender finanzieller Unterstützung für den Veranstalter, den Springreiterclub Saar-Pfalz, dem an dieser Stelle gedankt werden soll und muss.
Trotz des kleinen Starterfelds mit 13 Teilnehmern spannend verlief auch das anschließende S-Springen mit Stechen, zu dem am frühen Sonntagnachmittag endlich auch eine größere Zuschauermenge im Landgestüt und in der Allee den großen Springplatz säumten. Als erstes der fünf Reiter-Pferde-Paare, die sich für das abschließende Stechen qualifiziert hatten, musste Lokalmatadorin Anne Oberle vom RFV Zweibrücken in den verkürzten Parcours. Ihr 19-jähriger Erfolgswallach Crunchip vergaloppierte sich in einer Distanz, die Stange fiel. An dem darauf folgenden Andreas Woll (RFV Neunkirchen-City) und seinem neunjährigen Holsteiner Scoubydou führte diesmal – einmal mehr – kein Weg vorbei. Silber gewann mit drei Zehntelsekunden Rückstand Turnierleiter Wolfgang Schmidt (RSG Barbarossa Kaiserslautern) mit seinem selbstgezogenen, 15-jährigen Zweibrücker Chilli Pepper fehlerfrei vor dem Niederländer Heiko van Loon und seinem sprunggewaltigen Rheinländer-Wallach Clunie, Anne Oberle wurde Vierte. „Crunchip war bislang jedes Mal zumindest platziert“, sagte sie über die auch in diesem Jahr fortgesetzte Erfolgssträhne mit ihrem Liebling. Dafür hatte sie mit Silversurfer ein M-Springen und Nachwuchspferd Qualite Top erstmals eine Springpferdeprüfung Klasse A** gewonnen. Cristina Librasi siegte mit Pretty Woman MS im M-Springen und Steffen Hauters Tochter Anna-Sophie gewann im Stilspringen der Einstiegsklasse E Gold. Die Prüfungen für den Reiternachwuchs zur besten Kaffeezeit am Sonntagnachmittag wurden weniger gut angenommen, als von den Gastgebern , dem Club Saar-Pfälzischer Springreiter, erhofft. „Ich dachte, sie würden sich die Finger danach lecken, einmal in dieser Kulisse zu reiten“, verwunderte sich Turnierleiter Gerd Geyer, dass vor allem die lokalen Reiter verzichteten. Mit Blick auf die Ferienzeit will der Verein ihnen beim nächsten Turnier in zwei Wochen erneut eine Chance bieten.
Text und Fotos: Cordula-Irene v. Waldow
Text und Fotos: Cordula-Irene v. Waldow