Heavy Horses

Kaltblutschau in Standenbühl
freib xena v. eidgenoss a.d. marlotgp4f9161Es ist wirklich eine Freude mitzuerleben, wie die Pfalz-Ardenner Kaltblutzucht pa anouschka v. ouragon du monty a.d. anabelle de rodange gp4f9503im Zuchtgebiet Rheinland-Pfalz-Saar wächst und weiter an Qualität gewinnt. Diese Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Pfalz entstandene, mittelschwere Kaltblutrasse stand kurz vor dem Aussterben und gewinnt nun zunehmend mehr Freunde. Mittlerweile haben sich einige wertvolle Stutenstämme herausgebildet, die den Typ des Pfalz-Ardenners in hervorragender Weise repräsentieren. Auch die aus der Schweiz stammende Rasse der Freiberger erfreut sich im Zuchtgebiet zunehmender Beliebtheit. Dr. Hans-Dieter Nebe vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westpfalz fasst die Ergebnisse der gut besuchten Stutenschau zusammen.
 
Die Zeit zwischen 1950 und 1970 war die erste Blütezeit der recht jungen Rasse der Pfalz-Ardenner für die der Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar heute das „Ursprungszuchtbuch“ führt und somit für die Zucht dieser Rasse die Richtlinien bestimmt. Nachdem die aus der Tiefebene - z.B. in Belgien – stammenden, schweren Kaltbluthengste in den Mittelgebirgslagen des Zuchtgebietes nicht die erhofften Leistungen brachten, begann man verstärkt nach dem 2. Weltkrieg leichtere Ardenner-Hengste ins Zuchtgebiet zu holen. Sie standen zunächst auf Privatstationen und in der fünfziger und sechziger Jahren pa belinda v. crie a.d. qualine gp4f9353auch in größerer Zahl im Landgestüt Zweibrücken. Das Zuchtziel war ein mittelschweres bis leichtes Kaltblutpferd, leichtfuttrig, trocken, gängig, temperamentvoll und ausdauernd – im Typ des „motorfesten“ Wirtschaftpferdes. Heute, wo das Kaltblutpferd sowohl für das Ziehen, Fahren und Freizeitreiten eingesetzt werden soll, liegen diese ursprünglichen Eigenschaften voll im Trend. Leider sind nur noch wenige dieser „alten“ Gene erhalten geblieben, aber der Typ des Pfalz-Ardenners ist präsent. Dies zeigte die diesjährige Kaltblutschau eindrucksvoll. Wer die Pedigrees der prämierten Stuten studiert, wird erkennen, dass der Verbandsprämienhengst (VPrH) Crie zur Wiederherstellung des ausdrucksvollen, eleganten Typspa michelle mary v. katharienenhof v. wargo a.d. maya v. katharienenhoff83 0657 besonders wertvoll war und ist. Er hat vor allem dazu beigetragen, dass die Bewegung verbessert wurde und seine Nachkommen wenig Behang haben. VPrH. Crie ist ein Hengst der Rasse „Comtois“, die im französischen Department Jura und dem angrenzenden Schweizer Kanton Jura beheimatet ist und mehrere ähnliche Eigenschaften wie der Pfalz-Ardenner hat. Das Zuchtziel des Pfalz-Ardenner Kaltblut wird heute zwar mit der Methode der Reinzucht angestrebt, diese muss jedoch offen bleiben für die Hereinnahme einzelner, geeigneter Stuten und Hengste einzelner, ähnlicher Rassen, damit die Blutführung nicht zu eng wird. Erlaubt sind: Ardenner, Schwedischer Ardenner, Bretone, Comtois, süddeutsches Kaltblut und Rheinisch Deutsches Kaltblut.
Ein Fest der Familie Bossong in Schneckenhausen
Ein im Zuchtgebiet eingesetzter mittelschwerer Ardenner Hengst war „Nintendo du Vallon, der Vater der pa familie der hella f83 0729Siegerstute der älteren Klassen. Die hervorragend herausgebrachte Staatsprämienstute „Heidi vom Gorrhof“ der Familie Bossong war unangefochtene Klassensiegerin und Siegerstute 2014. Sie stammt aus der Verbandsprämienstute „Hella“ – eine Tochter der VPrH. Crie -, welche die Klasse der älteren Stuten gewann. Mit dem Hengst „Janosch“ hat Holger Bossong einen leistungsgeprüften Pfalz-Ardenner Hengst, der in Anpaarung mit der Siegerstute die bewegungsstarke dreijährige Klassensiegerin „Hera vom Gorrhof“ vorstellte. Das Konzept ist aufgegangen - eine beeindruckende Stutenfamilie ist entstanden, auf die pa hella v. crie a.d. angelina gp4f9308weiter aufgebaut werden kann. Die Basis ist immer wieder eine gute Stammstute. Wer mit der Zucht beginnen will, muss in eine gute Stute investieren. Es zeigt sich immer wieder, dass die oft von weit hergeholten, günstigen Einkäufe für die Zucht ihr Geld nicht wert waren. Es soll auch an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Siegerstute der Schau als Staatsprämienstute selbstverständlich leistungsgeprüft ist. Die Vorbereitung zur Leistungsprüfung macht Mühe und Arbeit, doch sie zahlt sich aus. Durch die Arbeit gewinnt die Stute an Muskulatur und Ausstrahlung. Nur leistungsbereite Stute gehören in die Zucht, von den anderen sollte sich der Züchter trennen. Das Prüfungsergebnis ist eine der Grundlagen der Selektion – auch das gehört zum Konzept. Familie Bossong kann zu Recht stolz darauf sein.
Die nächste Leistungsprüfung findet am 26. September 2014 im Landgestüt Zweibrücken statt.
pa blanka v. jumbo a.d. belinda f83 0515Eine weitere bedeutende Stammstute der Pfalz-Ardennerzucht ist die StPrSt. Belinda des Lothar Walter aus Ellweiler. StPrSt. Belinda sddt. kb samuel v. sonn alpin a.d. goldi gp4f9228ist Mutter der Jumbo-Tochter „Blanka“, die I b-platzierte der 9-jährigen und älteren Stuten. Jumbo ist einer der wenigen Hengste mit „altem“ Pfalz-Ardenner Blut. Belinda ist auch Mutter der StPrSt. Bea und des beeindruckenden Hengstes „Mannheimer“, der mit dem gekörten Hengst „Samuel“ (Süddeutsches Kaltblut) und dem bereits leistungsgeprüften Hengst „Adlon“ (Rheinisch-Deutsches Kaltblut) erneut Werbung für Kaltblutpferde im Zuchtgebiet machte. Mannheimer stellte mit seiner Tochter „Franzi“ eine bewegungsstarke 5-jährige mit schönem Gesicht, eleganter Halsung und trockenem Fundament vor.
Reservesiegerin der älteren Klassen ist die 5-jährige Wargo-Tochter „Mona Lisa“ der Familie Schnebele in Westheim. Der leistungsgeprüfte Wargo überzeugt immer wieder durchpa mona lisa v. wargo a.d. mary anne v. katharienenhof gp4f9413 Stuten mit schönen Gesichtern, guten Bewegungen – und wenig Behang. Mit seinem Fohlen aus der StPrSt. Mary-Anne präsentierte er ein viel beachtetes „Goldfohlen“. Aus der Zuchtgemeinschaft Kolter & Schöner in Gundersweiler stammen zwei typvolle zweijährige Wargo-Töchter, die Werbung für den Vater machten.
Aus dem großen Bestand der Familie Schnebele – die ganze Familie war hier unermüdlich im Einsatz – stammt auch die Reservesiegerin der jungen Klassen. Mit seiner Tochter „Amy“ präsentierte der elegante Hengst „Adlon“ hier einen Vorgeschmack seiner Vererbung. Das erst im Juni geborene, besonders elegante Hengstfohlen aus der Stute Samantha v. Sam de L’Halvig (Ardenner) erhielt eine „Gold“-Prämierung. An der Hand von Klaus Schnebele zeigte der Hengst Adlon sein Bewegungstalent. Durch die Reitausbildung ist der Hengst noch ausdruckvoller geworden. Er ist gezielt zur Veredlung etwas schwerer Stuten ins Zuchtgebiet geholt worden. Darauf folgt das nächste Etappenziel der Pfalz-Ardennerzucht - die Basis guter Stammstuten zu erweitern und ein noch einheitlicheres Bild des Pfalz-Ardenners auch überregional zu präsentieren.
Feine Freiberger
freib 1a und 1b preistrgerinnen gp4f9156Aus dem Schweizer Jura stammt die Rasse „Freiberger“. Mit einem Stockmaß von 150 bis 160 cm (im Alter von drei Jahren) wird heute ein mittelschweres Pferd gezüchtet, welches seine Leistungsbereitschaft und Charakterstärke als Fahr- und Reitpferd unter Beweis stellt. Zuchtziel sind Braune, aber auch Rappen und Füchse sind nicht ausgeschlossen.
freib naomi v. nino a.d. marlot gp4f9013Zwei schöne Klassen „Freiberger“ erhielten viel Beifall der zahlreichen Zuschauer. Unangefochtene Siegerin der Schau wurde einmal mehr die jetzt bereits 17-jährige StPrSt. Xena aus der Zucht von Judith und Otto Werst in Wörrstadt. Sie ist bereits seit einigen Jahren im Besitz von Robin Mussel in Wörrstadt, der sie auch gekonnt vorstellte und mit dieser Stute den Eins freib cayenne v. esperanzo a.d. havanna gp4f9133tieg in die Zucht und den Fahrsport begann. Auch die besonders hübsche StPrA. Naomi der Familie Werst konnte in diesem Jahr nicht an ihr vorbeiziehen. Mit der 5-jährigen StPrA. Neskia stellte Robin Mussel ein weiteres Aushängeschild der Freiberger Population vor, die in diesem Jahr jedoch noch nicht zur optimalen, losgelassenen Präsentation fand.
Manuela Hach und Melanie Krug aus Niederneisen zeigten mit der „Laika“ bzw. „Cayenne“ von Espéranzo die besten Freiberger-Jungstuten. Bleibt abzuwarten, ob sie mit der richtigen Anpaarung Erfolg haben und weitere Stutenstämme der Freibergerzucht aufbauen können.


Dr. Hans-Dieter Nebe
DLR Westpfalz

Ergebnisübersicht Kaltblutschau

Fotos: www.jr-photos.de
und www.mawe.bilderdienst.de




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