Leistungsprüfung Ziehen und Fahren

Keine Fortschritte ohne Prüfung und Selektion

lp heidi vom gorrhof dr. hd nebeDas Resümee 2012 fällt ähnlich aus wie im Jahr 2011. Die Rahmenbedingungen – einschließlich des Wetters - waren hervorragend. Die Landgestüt Zweibrücken GmbH als Veranstalter hatte Boxen zur Verfügung gestellt und die Zug- und Geländestrecke sowie das Fahrviereck nach den Anforderungen der jeweiligen Zuchtbuchordnung der einzelnen Rassen vorbereitet. Dieser Aufwand wurde jedoch nur von fünf Züchtern honoriert. Doch auch für zahlenmäßig kleine Rassen gilt: keine Fortschritte ohne Prüfung und anschließende Selektion. Dr. Hans-Dieter Nebe vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westpfalz fasst die Ergebnisse der wenigen, aber durchweg guten Pferde zusammen.
Man könnte meinen, die Selektion (Auswahl der Besten) findet bereits vor der Prüfung statt, denn nur die Anwärterinnen für den Titel „Staatsprämienstute" werden neben den gekörten Hengsten zur Prüfung angemeldet. Bei den Kaltblütern waren es nur zwei Stuten. Die Arcos de Rodange-Tochter „Beauty" aus der Zucht von Lothar Walter in Ellweiler und die Nintendo du Vallon Tochter „Heidi vom Gorrhof" aus der Zucht von Holger Bossong in Schneckenhausen waren beide von Karoly Unicsovicz gut vorbereitet worden und meisterten ihre Aufgaben souverän.
Die Prüfung der Pfalz-Ardenner Kaltblutpferde beginnt mit der Prüfung vor dem Zugschlitten. In maximal 12,5 Minuten müssen 20 % des Körpergewichts über eine Strecke von 1000 m gezogen werden. Dabei muss dreimal gehalten und nach 10 Sekunden wieder angezogen werden. Anschließend folgte das Geschicklichkeitsziehen. Hier wird eine sieben Meter lange Schwachholzstange im Schritt durch sechs versetzte Pflichttore geschleift. Gegen Mittag endete die Prüfung mit der Fahraufgabe im Einspänner. Hier stehen neben den Gangarten Trab und Schritt die Anlehnung und Durchlässigkeit des Fahrpferdes im Mittelpunkt. Direkt anschließend ist ein Kegelparcours zu absolvieren, der noch einmal die Wendigkeit und Reaktion auf die Hilfengebung überprüft. Aufgaben, die mit etwas Training gut zu bewältigen sind; eine Investition, die sich für den späteren Einsatz vor dem Wagen sicherlich lohnt.

Zuchthengste müssen geprüft sein

Zuchthengste müssen ihre Eigenleistung unter dem Sattel oder vor dem Wagen unter Beweis stellen, bevor sie endgültig zur Zucht zugelassen sind. So waren bei den Kleinpferden zwei Hengste und eine Stute am Start. Die Prüfung der Hengste begann bereits mit dem Aufstallen in die vorbereiteten Boxen. Auch das Anspannen stand unter Beobachtung von Pferdewirtschaftmeisterin Constanze Hempel, die für die Organisation im Landgestüt verantwortlich zeichnete und als zusätzliche Richterin das Interieur der Ponyhengste zu bewerten hatte. Erste Aufgabe vor dem Wagen war die Fahrprüfung im Viereck mit anschließendem Kegelparcours. Neben den Gangarten Schritt und Trab stehen hier die Anlehnung und die Durchlässigkeit im Vordergrund. Anlehnung und Durchlässigkeit hängen zwar mit dem Stand der Ausbildung zusammen, aber je mehr das junge Pferd hier bereits anbietet, desto leichter ist die Ausbildung. Umso erstaunlicher zeigte sich der erst dreijährige Shetland-Hengst Why Not, der sich leichtfüßig und scheinbar mühelos vor seinem zweiachsigen Wagen bewegte. Es folgte die Geländeprüfung, welche die Wendigkeit im Gelände, die Unerschrockenheit beim Vorbeifahren an unbekannten „Geländehindernissen" und das Verhalten auf der Wellenbahn abprüfte. Als abschließende „Mutprobe" bietet die Rennwiese das Durchqueren einer Wasserstelle an, welche von dem erfahrenen Welsh D-Hengst Celli Rhett Butler mit Bravour gemeistert wurde. Als Testfahrer konnte in diesem Jahr erneut Manfred Winternheimer gewonnen werden, der bereits 2011 bei den unterschiedlichen Rassen sehr viel Einfühlungsvermögen gezeigt hatte. Er saß bei den Hengsten auch beim Geländefahren gemäß Zuchtbuchordnung mit auf dem Kutschbock und überprüfte die Reaktion der Pferde auf die Hilfen des Fahrers aus nächster Nähe. Stuten benötigen für Ihre Zuchtstutenprüfung keine Geländeprüfung und keine Interieurbewertung. Sie werden im Fahren besonders hinsichtlich Anlehnung und Durchlässigkeit - auch vom Testfahrer - überprüft und in den Grundgangarten bewertet.
Die Zahl der geprüften Kaltblüter und Kleinpferde rechtfertigt den Aufwand derzeit in keiner Weise. Dennoch bietet der Zuchtverband jährlich eine Prüfung im Ziehen und Fahren an, um gerade den Hengsthaltern lange Wege zu anderen Prüfungsanstalten zu ersparen – wie lange noch? Geprüfte Stute und Hengste braucht die erfolgversprechende Zucht in allen Rassen.

Dr. Hans Dieter Nebe
DLR Westpfalz

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